Was ein sauberer Carve-out vom Konzern wirklich kostet — und wo wirklich gespart wird

Immer häufiger führen Restrukturierungen in Konzernen auch zu Carve-outs: Geschäftseinheiten werden ausgegliedert, neu aufgestellt oder veräußert. Mit der organisatorischen Trennung kommt fast immer auch die technische und inhaltliche Trennung der Intranet- und Digital-Workplace-Landschaft.
Die Zielarchitektur steht in solchen Vorhaben meist früh fest. Gleichzeitig sind bestehende interne Service-Verträge in der Übergangsphase weiterhin zu erfüllen — was den parallelen Betrieb beider Welten über mehrere Quartale erzwingt.

Der konventionelle Blick richtet sich dabei auf den Aufbau der neuen Plattform: Architektur, Migration, Customizing. Genau dort konzentrieren auch Lösungsanbieter typischerweise ihre Aufmerksamkeit. Der eigentliche Kostenhebel liegt jedoch nicht im Aufbau der neuen, sondern im strukturierten Rückbau der alten Umgebung — und dieser bleibt ohne tiefes System- und Vertragswissen meist unsichtbar.

In einem solchen Mandat haben wir zweigleisig gearbeitet: individuelle technische Lösungen für die fortlaufenden Servicevertraege auf der einen Seite, eine schrittweise Dekommissionierungs-Strategie der Altplattform auf der anderen — eng verzahnt mit der Migration in die Zielumgebung.
Der eigentliche Hebel lag in zwei klar strukturierten Strängen:

User-Lizenz-Reduzierungsstrategie über die Migrationsphasen hinweg. Statt parallele Vollkosten in beiden Welten zu tragen, wurde der Bestand entlang der Migrationswellen gezielt abgebaut.
Plugin-Dekommissionierungs-Strategie nach Geschäfts-Kritikalität. Eine klar priorisierte Reihenfolge, die kritische Funktionen bis zum Schnitt absicherte und Nicht-Kritisches frühzeitig entlastete.
Ergebnis: 6-stellige Einsparung über die gesamte Migration.
Die Lehre: Carve-outs werden meist von der neuen Plattform her gedacht. Das eigentliche Einsparpotenzial liegt im Rückbau der alten — sichtbar nur, wenn auf Kundenseite jemand die Vertrags-, Lizenz- und Plugin-Logik der Altumgebung systematisch durchdringt und in eine geordnete Dekommissionierung übersetzt. Lösungsanbieter adressieren diesen Punkt selten aktiv — ihr Geschäftsmodell ist der Aufbau, nicht der Rückbau.
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Eric Klein
Eric KleinGeschäftsführer & Principal Consultant — Intranet & Digital Workplace & Platforms
Strategischer Berater für konzernweite Integration, Schnittstellen und Umsetzung komplexer Kommunikationsvorhaben